Das Ensemble der Kleinen Bühne Michendorf hat die Premiere des neuen Stücks „Die Stadtmusikanten“ gezeigt. Es wurde viel applaudiert, gelacht und kommentiert – so groß war die Sehnsucht nach Theater und damit verbunden nach ein wenig Normalität.

Michendorf
Wie sehr Bühnenschaffende und Publikum auch in der Theaterhochburg Michendorf das Ende der Lockdowns ersehnten, erwies sich am vergangenen Freitagabend als die Chefin der „kleinebühne“, Ortrud Meyhöfer, vor der Uraufführung von „Stadtmusikanten“ die Zuschauer emotional bewegt begrüßte. Ihre rhetorische Frage: „Ist es schön?“ löste ein Beifallsecho aus. Die amtlich genehmigten 77 Besucher und das Ensemble, allesamt Geimpfte, Genesene oder Getestete, labten sich begeistert am Glücksgefühl einer langsam wiederkehrenden Normalität.

Urgestein Siegfried Patzer saß im Saal
Im aus DEFA-Tagen berühmten Saal „Zum Alten Schloss“ in Langerwisch saß auch das von Meyhöfer eingeladene Urgestein der Michendorfer Theaterszene Siegfried Patzer. Dessen Anwesenheit war insofern bemerkenswert, als damit scheinbar ein Schlussstrich unter die jahrelangen Querelen seit der Aufspaltung des Theaters und der Etablierung der „Volksbühne“ gezogen wurde. Dies passte hervorragend zum von Felix Zühlke (Autor, Regisseur, Schauspieler) nach Motiven des Grimmschen Märchens frei fabulierten Stücks, bei dem es um die Macht der Freundschaft geht.

Auch in seiner Fassung versuchen vier von ihrer Herrschaft verstoßene Tiere, Esel (Felix Zühlke), Hund (Paul Barrett), Katze (Inga Bogdanski) und Hahn (Udo Herath) gemeinsam in der Stadt musikalisch Kariere zu machen. Die opulente Grimmsche Räuberbande aber ist in seinem Stück nur ein Räuberpärchen. Dabei kommandierte Frau Räuberhauptmann (Sabrina Thäle) ihren kahlköpfigen, riesenhaften, aber devoten Räubergatten (Marcus Hagen Heinemann), zur Freude des Publikums wie eine Domina.

Solovortrag aus dem Musical Cats
Gemeinsam mit einer Beil schwingenden Köchin (Britta Schmidt) jagten diese Akteure durch das von Benjamin Kniebe erdachte, blitzschnell wechselnde Bühnenbild, bei dem ein riesiger, wandelbarer Bilderrahmen die jeweiligen Handlungsorte abbildete. Akustisch verfeinert wurde das turbulente Geschehen durch die furios ihr E-Klavier bedienende Na Ri Lee. Neben Stücken wie Jacques Offenbachs Barkarole spielte sie selbst Komponiertes und begleitete die ausgebildete Sängerin Bogdanski bei ihrem mit glockenheller Stimme gesungenen und mit Szenenapplaus gefeierten Solovortrag aus dem Musical Cats.

Überhaupt wurde viel und heftig geklatscht. Egal ob bei den Dialogen zwischen dem „Dummen Esel“ und dem aufschneiderisch schwadronierenden Jagdhund „Lord Waldemar“, die Zuhörer verfolgten es lachend oder laut kommentierend. Diese Anteilnahme der Zuschauer steigerte sich noch bei den Kabbeleien der beständig nörgelnden Räuberhauptfrau mit ihrem bemitleidenswürdigen Muskelgatten.

Viel Zuspruch, besonders bei den Jüngsten im Saal, fand auch die aufkeimende Zuneigung zwischen der schönen aber energischen Kätzin Henriette und dem mit leicht englischer Klangfarbe näselnden Edelwuffi Waldemar. Als das Musikerquartett zum Schluss nicht ganz unerwartet beschließt, für immer im Räuberhaus zu wohnen, wusste man nicht, was das Publikum mehr feierte, die Vertreibung der Räuber oder die von Corona.
Von Lothar Krone